Pavlo Hrosul aus Gießen kämpft mit Kampagne „#IstaywithGreta“ #NoHateMe gegen Hass im Internet.

Pavlo Hrosul wünscht sich ein sozialeres Internet. Daher hat er die Kampagnen „#NoHateMe“ und „#IstaywithGreta“ initiiert. Wichtig ist es ihm, sich gegen Hass im Netz und digitales Mobbing zu positionieren. Zumal er solche Attacken persönlich selbst schon erlebt hat.

Pavlo Hrosul trägt schwarze Schuhe, schwarze Jeans und eine schwarze Lederjacke. Sein Rucksack liegt auf seinen Beinen. Hrosul, blondes Haar, wirkt ein wenig nervös, Schweißperlen laufen ihm die Stirn herunter. Sobald er anfängt zu erzählen, blickt er nach unten. Zum Tisch, zu seinem Rucksack – immer wieder. Auf eine Frage antwortet er meist mehrere Minuten. Er will bloß nichts vergessen, dafür ist ihm das zu wichtig. In seiner Kampagne „#Stoppt Digitales Mobbing – #NoHateMe“ geht er mit dem Verein „Liebe wen du willst“ gegen Hass im Netz vor. Dass Hrosul am 1. April mit der Kampagne begann – reiner Zufall. Denn um einen Scherz handelt es sich dabei freilich nicht. Dafür ist allein das Thema viel zu ernst.

Pavlo Hrosul ist ernst, ambitioniert, entschlossen. Wenn er erzählt, wirkt er wie ein Lehrer, der aus allen Kindern oder Jugendlichen gerne strebsame Schüler machen möchte. Ohne Geschwätz, das respektlos ist, das stört. Obwohl er alleine ist, spricht der gebürtige Ukrainer oft in der Wir-Form, sagt unter anderem: „Wir müssen uns gegen den Hass im Netz positionieren.“ Ihm ist klar, dass dieses „Wir“ aktuell ein theoretisches ist; es nicht nur größer, sondern groß werden muss. Dann kann es mit dem „sozialeren Internet“ klappen. „Dafür braucht es eine gute Strategie“, betont er im Gespräch mit dem Anzeiger.


„Kuschelige Anonymität“
Strategie, auch dieses Wort benutzt er gerne. Internetnutzer, so sein Plan, sollen einen Screenshot über Geschichten von Hass mit dem Hashtag „#nohateme“ veröffentlichen. „Die Menschen, die noch keinen Hass erfahren haben, können ein Bild oder nur ‚#NoHateMe. Stoppt digitales Mobbing‘ posten“, ergänzt der Student der Justus-Liebig-Universität. Viele Social-Media-Querulanten wüssten nicht, was sie mit ihren Hasskommentaren auslösen können. Womöglich liegt das an der fehlenden direkten Konfrontation zwischen Täter und Opfer. Vielleicht auch an der „kuscheligen Anonymität“ des Internets. Sicher ist: Das Netz ist verworren und verwoben, Aufklärung daher wichtig – bei Eltern und deren Kindern, Lehrer und deren Schülern, aber auch bei Studenten, Rentnern, Politikern und der Justiz. „Ich werde mit Schulen Kontakt aufnehmen, um darüber zu reden“, sagt Hrosul. Er nennt das „Informations-Prävention“.

In diesem Moment klingt er wie ein Anti-Aggressions-Trainer, und ein wenig ist er das ja auch. Denn Aggressionen gibt es im Internet zuhauf, wohl mehr als andere Emotionen. Sobald Experten oder Politiker über das Internet reden, geht es aber weiterhin häufig um die Chancen der Digitalisierung. Zu häufig, wie Hrosul findet: „Es müsste mehr über die Risiken gesprochen werden.“ Die Mentalität in den (a-)sozialen Medien scheint in der Tat immer radikaler zu werden. Ein gutes, weil so schlimmes Beispiel liefert der Fall Greta Thunberg. Eine Internetseite hatte die Klimaaktivistin, bekannt geworden durch „Fridays for Future“, als „autistischen Backfisch“ tituliert. Thunberg leidet seit ihrer Kindheit am Asperger-Syndrom. Ein Kommentar, der zeige, „wie einige, nicht wenige Internetnutzer ticken“. Oder wie schnell sie offenkundig dazu neigen, andere willkürlich zu beleidigen. Nachdem Pavlo Hrosul einige Kommentare gegen die schwedische Klimaaktivistin gelesen hatte, machte er sie zum Gesicht seines Projektes, erweiterte seine Kampagne auf „#IstaywithGreta“. „Es handelt sich oft um Clans, die damit Geld verdienen. Der Gesetzgeber muss dagegen vorgehen“, appelliert der Student. Wenngleich er das Gesicht seiner Kampagne nicht persönlich kennt, sagt er „Greta“ zu ihr. Das mag daran liegen, dass „Greta“ erst 16 Jahre alt ist, zu duzen sei da schlicht passender. Der einzige Grund sei das aber nicht.

Liebe wen Du willst e. V. – Stoppt digitales Mobbing – #nohateme

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Kategorien: Aktuell

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